Gemeinde Kirchlengern

Schnellmenü

Aktuelles Veranstaltungen Ortsplan Kontakt Sitemap Suche Impressum Datenschutzerklärung
 > Ortsinformationen > Denkmäler/historische Gebäude

Inhaltsbereich

Die Alte Volksschule in Klosterbauerschaft

Seit dem ersten Grundstückkauf in den 1890er Jahren folgen zwei Jahrzehnte mit Verhandlungen und Auseinandersetzungen zwischen den Gemeinden Klosterbauerschaft und Stift Quernheim um die Gestaltung des Schulwesens in den Orten. Dann sind 1913 die überfüllte Stift Quernheimer Schule und die langen Schulwege der Klosterbauerschafter Kinder Vergangenheit. Am 13. Oktober dieses Jahres wird auf der Klosterheide ein Schulbau mit   e i n e m Klassenraum und einer Lehrerwohnung eingeweiht.

Neubau Volksschule Klosterbauerschaft

Am Einweihungstag nehmen 89 Schülerinnen und Schüler mit einigen Erwachsenen (linke Seite) und dem ersten Lehrer der Schule, Herrn Wilhelm Niemeyer (unterhalb des mittigen Fensters) Aufstellung vor dem Lehrerwohnhaus zum Festtags-foto. An der westlichen Seite des pompösen Dienstsitzes des Lehrers und Schulleiters erscheint der einzige Klassenraum als „mikriges Anhängsel“.
Vergegenwärtigen wir uns Schulverhältnisse von vor einem Jahrhundert: 8 9 Schulkinder, e i n Klassenraum, e i n Lehrer !
In den ersten Jahren der Schule wird bis zum Ende des Kaiserreiches 1918 am 2. September der „Sedanstag“ gefeiert. Das geschieht zur Erinnerung an die Kapitulation der französischen Armee nach der Schlacht von Sedan am Ende des dt.-franz. Krieges 1870 / 71.

Sedantag Volksschule Klosterbauerschaft

Die Schulkindergruppe schart sich mit ihrem Lehrer Wilhelm Niemeyer und Familienangehörigen von ihm um ein Bild Kaiser Wilhelms II. Ort des Erinnerungsfotos ist die Eingangsveranda der Lehrerwohnung.
„In Klosterbauerschaft eine einklassige Schule zu bauen, zeugte von wenig Weitblick", schreibt Wilhelm Tiemeyer, Rektor der Volksschule Klosterbauerschaft von 1946 bis 1972, in den „Beiträgen zur Geschichte der Klosterbauerschaft“ (1964). Ein stetiges Anwachsen der Schülerzahl führt zu Schulraumnot - ein durchaus aktueller Begriff. Am 16. November 1922 erfolgt die Einweihung eines Anbaus, der 2 weitere Klassenräume, eine Lehrerfamilienwohnung und eine Wohnung fürs „Fräulein“ im Geschoss über den Klassenräumen umfasst.

Volksschule Klosterbauerschaft 1950

Nord-West-Ansicht der 3-klassigen Schule im Jahre 1950
Der Zugang zum Schulflur mit den 3 aneinandergereihten Klassenräumen erfolgt durch eine zweiflügelige Eingangstür an der Nordseite des Gebäudes. Das christliche „Bildungsangebot“ der Schule ziert das Giebeldreieck des Türvorbaues:

A.D. 1913 LASSET DIE KINDLEIN ZU MIR KOMMEN

Eingang Volksschule Klosterbauerschaft
Zu Beginn der 60er Jahre wird dann die Unzulänglichkeit des Gebäudes in räumlicher, ausstattungsmäßiger und hygienischer Hinsicht ganz offensichtlich. Ein halbes Jahrhundert hat es Unterricht und Bildung in der Klosterbauerschaft - so gut es ging – gedient.
In der Urkunde zur Grundsteinlegung eines 7-klassigen Schulerweiterungsbaues einschließlich Turnhalle, Reihenhaus mit 3 Lehrerwohnungen und Dachumbau des alten Schulgebäudes heißt es: „Heute, am 20. Oktober 1962, wird der Grundstein des Schulerweiterungsbaues gelegt. Der Ausbau der bestehenden 5-klassigen Volksschule wurde notwendig, … “. Die Schülerzahl in Klosterbauerschaft beträgt zu diesem Zeitpunkt 232, davon besuchen die Schule in Klosterbauerschaft 165 Kinder und 67 die Schule in Stift Quernheim.


Bei der Grundsteinlegung des Erweiterungsbaues wird in Anwesenheit des Amtsdirektors, des Bürgermeisters, des Schulleiters, des Architekten und eines Maurers die Urkunde eingemauert. Vom Hintergrund sehen Lehrer, Eltern und Schüler der Zeremonie zu.
Mit Beginn des Schuljahres 1964/65 wird der Schulbetrieb in dem Erweiterungsbau aufgenommen. Dieses Gebäude erlebt im Schuljahr 1968/69 die Überführung der Volksschule in die Hauptschule, die jetzt die Jahrgänge 5 bis 10 umfasst (für die Klassen 1 bis 4 werden die Grundschulen eingerichtet). Zehn Jahre später endet das allgemeinbildende Schulwesen in Klosterbauerschaft, als die beiden Hauptschulen der Gemeinde Kirchlengern im Ortsteil Kirchlengern zusammengefasst werden. Nun übernimmt eine Sonderschule des Schulverbandes Kirchlengern – Rödinghausen die Nutzung der Klosterbauerschafter Einrichtungen, bis schließlich 2013 nach genau einem Jahrhundert schulische Bildung und Erziehung unwiederbringlch in Klosterbauerschaft zu Ende gehen.
Der Erweiterungsbau der Alten Volksschule vermag glücklicherweise im Dienst an den Menschen weiterzubestehen: Hat ihn in seinen ersten Jahrzehnten das Lernen, Toben und Lachen von Kindern erfüllt, bietet er heute als Seniorenresidenz Klosterbauerschaft den älteren Generationen Unterkunft und Betreuung.

Letzter Gebäudeteil Volksschule Klosterbauerschaft



Heute, 2019, drängen sich die Ostfront der Seniorenresidenz und das Mahnmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege eng aneinander, während als letzter Gebäudeteil der Alten Volksschule Klosterbauerschaft die Dienstwohnung des Schulleiters 2010 ihrem Abriss nicht mehr entgehen kann. Von ihr ist an anderem Ort allein die Eingangsveranda in dekorativem Jugendstil erhalten.

Hans-Jürgen Tiemeyer

Zurück

Zurück zum Schnellmenü